„Venture Philanthropy“ und „ESG-Rating“ – Teilnehmer berichten vom Resp.-Investing-Tag (1)

Andreas Price, COO, Kaiser Ritter Partner Trust Services:

Im Workshop Venture Philanthropy hatten wir eine sehr angeregte, gut geführte und spannende Diskussion. Zuerst wurde versucht, Venture Philantropy zu definieren: Während der Begriff Venture Capital sehr auf den finanziellen Return fixiert ist und konventionelle Charity-Projekte genau auf das Gegenteil, bewegt man sich mit Venture Philantropy irgendwo in der Mitte – vielleicht eher auf der negativen Profit-Seite, aber dafür deutlich in einem Bereich, mit positiven Erträgen im Bezug auf soziale und ökologische Aspekte.

Bei Venture Philanthropy geht es nicht einfach darum, Bedürftigen Geld zu geben sondern dass man die „Beneficiaries“ zu Beteiligten macht und die notwendige Würde entgegen bringt. Ein Beispiel: Es wird eine Schule aufgebaut und  lässt anschliessend die Einwohner der Region für den Schulbesuch ihrer Kinder einen symbolischen monatlichen Beitrag bezahlen. Das bewirkt, dass die Schule nicht nur aufgebaut sondern auch unterhalten und gepflegt wird. So werden die Beneficiaries zu Miteigentümern was entsprechend viel nachhaltiger ist. In den Gesprächen kam dann immer wieder zur Sprache, inwiefern wir überhaupt das Recht haben, in anderen Ländern und Kulturen einzugreifen und zu helfen. Das war dann eine recht hitzige aber auch sehr spannende Diskussion ohne eine konkrete Antwort darauf zu finden. Die erfolgreichen Beispiele aus der Praxis konnten aufzeigen, wie die Armut bekämpft, die Ausbildung gefördert und die Gesundheit der Bedürftigen positiv beeinflusst werden konnten. Sauberes Wasser und der nachhaltige Erhalt der Infrastruktur durch den Einbezug lokaler Organisationen und Verantwortlicher waren dabei immer einer der Erfolgsfaktoren.

Zum Schluss hat sich der Kreis dann wieder geschlossen, indem wir uns die Frage stellten, was der Investor überhaupt von seinem Engagement hat. Will er Publicity, positive Reputation, sein Investment für Marketing-Zwecke nutzen oder etwas von seinem Vermögen zurückgeben? Die Antwort war tatsächlich letzteres. Vermögende wollen zumeist keine Publicity und wollen ihr Engagement auch nicht für irgendwelche anderen Zwecke ausschlachten. Sie wollen armen Leuten etwas retour geben, weil Geld in der Familie vorhanden ist, wir bessere Chancen haben, eine Ausbildung geniessen durften und die Grundbedürfnisse mehr als nur gedeckt haben.

Markus Brandl Kaiser Ritter Partner Privatbank, Portfoliomanager:

Beim Workshop Rating Systems for investment vehicles gab es eine lebhafte Diskussion – und leider zu wenig Zeit. Was mich gefreut hat ist, dass es eine realistische Diskussion war – nicht nur auf der strategischen Ebene sondern mit Bezug auf die praktischen Probleme und Limits bei der Umsetzung. Meiner Meinung nach ist ein guter Anfang gemacht aber es ist noch ein langer Weg, bis ESG Ratings Standard werden.

Susanne Streule,  Risk Management, Kaiser Ritter Partner Privatbank:

Die lebhafte Diskussion im Workshop Rating Systems for investment vehicles kann ich bestätigen. Aus der Sicht des Risk Managements ist die Zuverlässigkeit des Ratings noch fragwürdig, weil es von vielen, teilweise auch subjektiv gewählten, Soft Factors abhängt. Aber da wird man sehen, wie sich das in Zukunft weiter entwickelt. Zum Schluss gab es dann auch eine interessante Diskussion, wie das in der Praxis umgesetzt werden kann.

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