Auch nach Durban: CO2-Emissionen im Fokus der Finanzinvestoren

Von Dr. Ingeborg Schumacher-Hummel, Responsible Investing, Kaiser Partner.

Sicherlich haben die Klimaverhandlungen in Durban nicht die Erwartungen aller erfüllt. Viele kritisieren den langen Zeitrahmen, bis rechtlich verbindliche Abkommen in Kraft treten können. Trotz dieser Unsicherheit auf der politischen Ebene ist das Thema gerade im Finanzmarkt weiterhin relevant. Im Jahr 2010 haben über 550 institutionelle Investoren im Rahmen des Carbon Disclosure Projektes bereits zum elften Mal Unternehmen nach ihren Klimadaten und –risiken sowie nach deren konkreten Massnahmen befragt. Kaiser Partner ist Teil dieser Investorengruppe. Die Liechtensteinische Unternehmensgruppe nimmt somit direkten Einfluss darauf, dass Unternehmen dieses Thema ernst nehmen.

Die Ergebnisse der Klimaverhandlungen in Durban Mitte Dezember wurden von vielen Beobachtern und Kommentatoren unterschiedlich bewertet. Die Umweltorganisation Greenpeace wertet sie als „Rückschritt für den Klimaschutz“. Weder die Beschlüsse zum Kyoto-Protokoll noch der Fahrplan für ein neues weltweites Klimaabkommen seien ausreichend, um die Klimaerwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Wissenschaftler der ETH Zürich sehen die Resultate etwas pragmatischer, Professor Bernauer schreibt auf dem ETH-Klimablog, dass „lebenserhaltende Massnahmen für den Verhandlungsprozess beschlossen“ wurden. Er betont die minimalen Fortschritte, die erzielt wurden, nachdem die Konferenz kurz vor dem Scheitern stand. Die EU hat sich verpflichtet, ihre Absicht, im Jahr 2020 20% der Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren, unter den rechtlich verbindlichen Rahmen des Kyoto-Protokolls zu stellen. Im Gegenzug haben sich über 190 Mitgliedsstaaten der Klima-Rahmenkonvention zugesagt, nächstes Jahr in Verhandlungen einzutreten, die bis 2015 in ein für alle verpflichtendes Abkommen münden sollen. Dieses Abkommen soll spätestens 2020 in Kraft treten.

Harte Verhandlungen zwischen Reduktionsbefürwortern und den grössten Emittenten

Die komplexen Formulierungen zeigen, dass die Verhandlungen zwischen den als progressiv geltenden Europäern einerseits und den grössten Emittenten – den Amerikanern und Schwellenländern – andererseits, sehr schwierig waren. Zudem hat Kanada als grosser Emittent von Treibhausgasen am Tag nach den Verhandlungen seinen Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll erklärt. Das Land sei nicht in der Lage, seine rechtlich bindenden Reduktions-Verpflichtungen zu erfüllen.

Für die aktuell bestehenden Mechanismen wie dem EU Emissions Trading Scheme bedeutet diese Abmachung eine Verlängerung der bestehenden Reduktionsanreize. Angesichts des langen Zeithorizontes, bis verbindliche Ziele verhandelt und implementiert werden können, ist es eher unrealistisch, dass das breit akzeptierte Ziel, die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, überhaupt noch erreicht werden kann. Die bisherige Entwicklung zeigt: Der Energiehunger der Schwellenländer hat bisher sämtliche erreichten Einsparungen zunichte gemacht.

Was bedeutet dies für den Finanzmarkt? Das Thema Klimawandel bzw. Carbon Finance wurde von Analysten relativ früh erkannt und zum Beispiel im Lichte folgender Fragen beleuchtet. Was bedeuten steigende Energiepreise bzw. CO2-Abgaben für die verschiedenen Wirtschaftsbranchen und die Profitabilität einzelner Firmen? Wird die Tourismusbranche auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen? Welche Unternehmen einer Branche sind am stärksten von absehbaren regulatorischen und Preisveränderungen betroffen?

Im Januar 2007 hat sich Klaus Wellershoff, damals Chef UBS Wealth Management and Research, dazu geäussert. „Ob man die Ansicht teilt, dass menschliche Aktivität das Klima schädigt, spielt bei Investitionsüberlegungen praktisch keine Rolle. Was vielmehr zählt, ist die Tatsache, dass zahlreiche Strategien gegen die drohende Erderwärmung die Absicht spiegeln, das Verhalten der Menschen zu beeinflussen, das Risikoprofil der einen Geschäftsbereiche zu ändern und die Investitionsaussichten der anderen zu verbessern.“

Teil dieser Entwicklung ist ein Zusammenschluss von Investoren im Jahr 2000, die ihre Macht als Aktionäre auch in Klimafragen Ausdruck verleihen wollen. Das Ziel des Carbon Disclosure Projektes (CDP) ist es, mehr Transparenz hinsichtlich der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen zu schaffen. Deshalb erhebt das CDP im Namen einer beeindruckenden Anzahl von Investoren, wie auch Kaiser Partner, einmal jährlich anhand von standardisierten Fragebögen auf freiwilliger Basis Daten und Informationen zu CO2-Emissionen, Klimarisiken und Reduktionszielen und –strategien von Unternehmen. In diesem Jahr haben über 550 institutionelle Investoren, die insgesamt mehr als 71 Billionen US-Dollar an Vermögen verwalten, von über 3000 Unternehmen in etwa 60 Ländern weltweit Daten eingefordert. Somit können Lösungen zum Thema Klimawandel beschleunigt werden, in dem die relevanten Informationen sowohl den Unternehmen, Politikern und möglichen Investoren zur Verfügung gestellt werden. Andererseits fördert die Anforderung dieser Informationen auch das Bewusstsein für die Klimaproblematik.

Zwar gilt die Devise „what get’s measured, get’s done“. Jedoch bleibt es den einzelnen Investoren überlassen, wie sie mit den erhobenen Daten arbeiten. Aufbauend auf dem Carbon Disclosure Projekt wurde daher die CDP Carbon Action Initiative lanciert. Einzelne Pensionskassen und Asset Manager haben ihre Massnahmen zum Thema Klimawandel weiter forciert: Sie fordern im direkten Dialog einzelne Unternehmen auf, ihre Massnahmen zur Emissionssenkung zu beschleunigen und somit die finanzielle Nachhaltigkeit ihrer Anlagen zu verbessern. Die Initiative hat gleichzeitig viele Chancen zur profitablen Emissionssenkung, also einen klaren „Business Case“ aufgezeigt.

Nach den Klimaverhandlungen in Durban wurden zwar die regulatorischen Rahmenbedingungen für die Einschränkung von Klimagasen nicht präzisiert oder verschärft, doch der Finanzmarkt gibt weiterhin klare Signale an Unternehmen, ihre Risiken in dem Bereich zu managen und Massnahmen zu ergreifen. Hierdurch ergeben sich für Investoren durchaus Chancen, zum Beispiel bei der Investition in den Bereich von Energie-Effizienztechnologien. Im Portfoliomanagement der Kaiser Partner Privatbank wurden daher gezielt Produkte mit diesem Fokus ausgewählt und darin investiert.

Links zu den Ergebnissen von Durban:
Links zur Investoreninitiative:
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