FNG-Dialog verdeutlicht Unterschiede beim Einsatz von ESG-Kriterien

Am 7. Februar 2012 lud das Forum Nachhaltige Geldanlagen Schweiz im Rahmen des FNG-Dialogs zur Podiumsdiskussion „ESG-Integration – Mainstreaming oder Mogelpackung.“ Neben Vertretern von Zürcher Kantonal Bank (ZKB) und Vontobel gehörte auch Joachim Klement, Chief Investment Advisor bei Kaiser Partner, zu den Diskussionsteilnehmern auf der Bühne.

Wachsender Erfolg der UN PRI
In einem einführenden Beitrag berichtete James Gifford, Executive Director der Intiative Principles for Responsible Investments der Vereinten Nationen (UN PRI), vom wachsenden Zuspruch der Finanzbranche: Stand Februar 2012 hätten sich 800 institutionelle Investoren verpflichtet, im Sinne der UN PRI Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) bei ihren Investment-Entscheidungen systematisch zu integrieren. Als entscheidendes Argument würden laut Gifford insbesondere rechtliche Notwendigkeit im Rahmen einer treuhänderischen Verantwortung genannt.

Auch das Wachstum an verwalteten Vermögen spreche für die zunehmende Verbreitung des Investierens nach ESG-Kriterien: Knapp 80% der institutionellen Investoren sowie 95% der Investment Manager wenden nach Giffords Informationen bis zu einem gewissen Grad ESG Kriterien bei intern verwalteten, aktiven Mandate von Aktien in Industrieländern an. Danach verdreifachte sich das Volumen von Geldern, das „zu einem gewissen Grad“ nach ESG Kriterien verwaltet wird, zwischen 2009 und 2010 auf USD 10 Billionen. Dieser Erfolg wirft, so die Organisatoren und Branchenvertreter auf der Bühne, die Frage nach der Substanz der Kriterien auf.

Die Beiträge der drei Investment-Experten haben verdeutlicht, dass – abhängig von der Zielsetzung ESG-Kriterien in das Anlagegeschäft zu integrieren – unterschiedliche Ansätze zur Umsetzung entwickelt wurden. Vontobel habe sich engagiert, um eine bessere Performance aktiv gemanagter Portfolios zu erreichen. Dafür hätten die Verantwortlichen sektorspezifische Raster für ökologische, soziale und Governance-Faktoren entwickelt. Eine Fokussierung auf relevante Kernkriterien und eine variable Gewichtung solle auch die finanziell relevanten Parameter betonen.

Risiken minimieren, Werte integrieren
Joachim Klement von Kaiser Partner erläuterte, dass Responsible Investing als Strategie zwei Ziele verfolge: Einerseits würden Risiken in den Portfolios erfasst und vermieden. Andererseits könnten dadurch Werte der Kunden abgebildet werden, so der Chief Investment Adviser weiter. Das Ziel von Kaiser Partner, in jeder Anlagekategorie mindestens 40% in überdurchschnittliche ESG-Titel und Fonds zu investieren, funktioniere bei Aktien und Obligationen sehr gut. In Bezug auf alternative Anlagen wie Commodities gebe es hingegen noch zu wenig adäquate Produkte auf dem Markt. Kaiser Partner habe aber das Investment Universum insbesondere mit der quantitativen und qualitativen ESG-Analyse auch konventioneller Fonds zusätzlich vergrössert.

Die Zürcher Kantonal Bank sammelt finanzrelevante Informationen aus der Nachhaltigkeitsanalyse und integriert diese in das Portfoliomanagement. Durch die Zusammenarbeit von Analysten und Portfoliomanagern soll sich die Performance der Nachhaltigkeitsfonds verbessern. Das Mainstreaming von ESG-Informationen wird bei der ZKB auf der Basis eines Nachhaltigkeitsindikators durchgeführt. Dieser errechnet sich aus drei Parametern, dem CO2-Ausstoss, dem Reputationsrisiko durch ESG-Verstösse sowie einer Masszahl für Corporate Governance. Bisher wurden bei der ZKB ca. 500 Anlagefonds bewertet und in einer Skala zwischen A bis G eingestuft.

Investment Consultant Beat Zaugg von Ecofin erkennt die Erfolge bei der Beachtung von ESG-Kriterien z. B. durch Initiativen wie den UN PRI an. Auf der Veranstaltung machte er jedoch darauf aufmerksam, dass die Auswirkung auf die Performance noch klarer herausgearbeitet werden könnte. Weiterhin sollte nach seinem Dafürhalten die Messung und die Berichterstattung über ökologische und soziale Konsequenzen der Ansätze systematischer erfolgen. Seiner Meinung nach könnte der Bereich der Alternativen Anlagen insbesondere um die Themen Impact Investments und Infrastrukturinvestments erweitert werden.

Die Referenten auf dem Podium fassten ihr Resumee schliesslich in folgenden Punkten zusammen:

  • Schlüsselfaktor Kommunikation: Eine gute Kommunikation zwischen Nachhaltigkeitsexperten und klassischen Finanzanalysten ist zentral.
  • Kein Sonderbonus: Zu einer erfolgreichen ESG-Integration gehört eine gute finanzielle Performance, denn institutionelle Investoren akzeptieren keine exotischen Benchmarks.
  • Systematisches Vorgehen schafft Akzeptanz: Der Anlageprozess sollte auch mit einer Berücksichtigung von ESG-Kriterien systematisch aufgebaut sein. Klare Prozessen helfen, bei institutionellen Investoren zu punkten.

Im Bezug auf den Titel der Veranstaltung fiel die Antwort zum Verdacht der „Mogelpackung“ pragmatisch aus: Der Erfolg einer ESG-Integration könne immer nur an den spezifischen Zielen des jeweiligen Unternehmens gemessen werden. Infolgedessen müsste man mal die finanzielle Performance bewerten, mal die Steigerung der Transparenz untersuchen. Weiter in die Zukunft geblickt könne ESG nach Ansicht der Experten nicht alleine ein Baustein zur Sicherung des Finanzplatzes Schweiz ausreichen. Vielmehr könne dies nur im Zusammenspiel mit der Hinwendung zu einer Weissgeldstrategie und mit einer langfristig ausgerichteten Anreizstruktur zu greifbaren Verbesserungen in der Branche führen.

Weitere Informationen zum Thema:
Ein Interview mit James Gifford zur Intiative Principles for Responsible Investments der Vereinten Nationen (UN PRI) finden Sie hier: Jahresbericht 2009 von Kaiser Ritter Partner als PDF herunterladen.

Expertin Julia Balandina erläutert das Modell des Impact Investing in einem Beitrag zum Geschäftsbericht 2010 von Kaiser Partner unter „Gutes tun…“.

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