Mikroversicherungen: Neuer Hype oder sinnvolles Investment?

Die Entwicklung des Themas Mikrokredite hatte lange Zeit Züge eines Hypes, mit allen positiven Effekten wie auch negativen Auswirkungen. Quasi im Windschatten entwickeln sich für verantwortungsbewusste Anleger neuerdings Mikroversicherungen zu einer interessanten Alternative. Ingo Weber, Mitglied des Investmentkomitees von Leapfrog Investments informiert in einem kompakten Questions & Answers (Q&A) über diese neue Art von Finanzdienstleistungen:

Was bedeutet Microinsurance?

Als Microinsurance (Mikroversicherung) bezeichnet man günstige Versicherungspolicen für Bezieher niedriger Einkommen bzw. für Menschen, die normalerweise keinen Risikoschutz bekommen (z.B. Menschen mit HIV/Aids). Die Versicherungsprodukte können z.B. Lebens- und Unfallversicherungen, Krankenversicherungen, Wetter- oder Ernteausfallversicherungen, Fahrzeug- bzw. Haftpflichtversicherung usw. umfassen.

Wer braucht Microinsurance-Produkte?

Grundsätzlich benötigen alle Menschen dieser Welt einen gewissen Risikoschutz und eine Absicherung gegen existenzielle Risiken. Gerade in Entwicklungsländern bestehen für Familien und Kleinstunternehmer oft grössere Risiken (z.B. durch Naturkatastrophen) als in den entwickelten Ländern. Gleichzeitig ist die soziale Absicherung in den ärmeren Ländern oft nur sehr schwach ausgebildet, d.h. die Menschen sind oft auf sich selbst und Ihre Familien angewiesen.

Mikrokredite werden als Mittel zur Armutsbekämpfung angepriesen, bietet Microinsurance auch einen sozialen Nutzen?

Der soziale Nutzen von Microinsurance ist sehr hoch. Stellen Sie sich einen Familienvater vor, der mit seinem Einkommen eine Familie zu ernähren hat. Bei Krankheit oder Unfall fällt das Einkommen aus und mangels sozialer Absicherung muss die Familie ihre Ersparnisse aufbrauchen oder sich verschulden um die Arztkosten zu bezahlen und den Lebensunterhalt zu decken. Häufig fallen die Familien aufgrund von solchen Schicksalen wieder zurück in die Armut. Ebenso bieten viele Lebensversicherungsprodukte auch die Möglichkeit Geld für künftige Investitionen anzusparen, erfüllen also neben der Absicherung von Risiken auch die wichtige Aufgabe der Vermögensbildung.

Wer bietet Microinsurance an?

Microinsurance wird in der Regel von lokalen Versicherungsgesellschaften angeboten. Allerdings ist in vielen Ländern das Angebot sehr gering oder gar nicht vorhanden.

Warum sind die grossen Versicherungskonzerne in diesem Bereich noch nicht aktiv?

Aufgrund der begrenzten Wachstumsmöglichkeiten in den Industrienationen investieren die grösseren Versicherungskonzerne zunehmend in die aufstrebenden Schwellenmärkte. Allerdings ist deren Fokus oftmals auf den traditionellen Bereich der mittleren bis höheren Einkommensklassen gerichtet. Um Versicherungsprodukte für das untere Einkommenssegment profitabel und in grosser Stückzahl anzubieten, bedarf es unter anderem einer besonderen Expertise in den Bereichen Produktentwicklung, Vertrieb, Risikomanagement, Administration und Schadenbearbeitung.

Bei Microkrediten wird mittlerweile kritisiert, dass zu viel Geld in den Markt fliesst, Kredite zu leicht vergeben werden, sich Kreditnehmer zu sehr verschulden, damit die Kreditqualität sinkt und die Armut sich eher verschlimmert. Gibt es bei Microinsurance ähnliche Risiken?

Im Unterschied zu Krediten muss der Versicherungsnehmer eine Prämie zahlen, bevor er in den Genuss einer Riskoabsicherung bzw. einer Versicherungsleistung kommt. Bevor ein Kunde sich “überversichert”, wird er das Geld eher sparen bzw. anderweitig ausgeben. Denkbar ist jedoch, dass Versicherungsvermittler nicht immer die Interessen der Kunden wahren oder unpassende Produkte vermitteln (sog. mis-selling). Diese Probleme bestehen jedoch auch in den entwickelten Ländern.

Wie sehen Sie die Marktentwicklung von Microinsurance? In welchen Kontinenten sehen Sie das grösste Potenzial?

Gemäss einer Studie von Lloyds gibt es weltweit rund 1,5 Milliarden potentielle Microsinsurancekunden, also Menschen die willens als auch in wirtschaftlich in der Lage sind, die erforderlichen Versicherungsprämien zu zahlen. Swiss Re hat die Groesse des gesamten Mikroversicherungsmarktes auf ca. $US 40 Milliarden geschätzt. Grosses Potential besteht insbesondere in den Schwellenmärkten Asiens (z.B. Indien, Indonesien, Philippinen) sowie Afrikas (z.B. Kenya, Nigeria, Ghana).

Wie können Anleger im Bereich Microinsurance investieren?

Anleger haben bisher nur sehr wenige Möglichkeiten in diesem Segment zu investieren. LeapFrog Investments hat weltweit den ersten auf Mikroversicherung fokussierten Private Equity Fonds aufgelegt. Der Fonds hat eine Grösse von $US 135 Mio. und verfolgt zum einen soziale Ziele, wie die Versorgung von 25 Mio, Menschen mit adäquaten Versicherungsprodukten, als auch die Erzielung einer finanziellen Rendite die vergleichbar ist mit anderen Private Equity Investitionen in den Schwellenländern.

Share on Facebook
Bookmark this on Delicious