Nachhaltig in Wasser investieren: Experten geben Auskunft

Im Rahmen des Responsible Investing bedeutet Wasser ein lohnendes Investitionsobjekt, das in sozialer und ökologischer Hinsicht eine hohe Bedeutung hat. Die Kaiser Ritter Partner Privatbank arbeitet hier mit der Tareno AG zusammen. Deren Wasser-Experte Fund Manager Josef Bollag gab uns einen Einblick, unter welchen Massgaben sie im Bereich Wasser Kunden der Kaiser Ritter Partner Privatbank helfen, nachhaltig und verantwortlich in Wasser zu investieren.



Wasser stellt ein elementares Gut zum Leben dar. Darf Wasser einen Preis haben, kann man guten Gewissens in Wasser investieren?
Im Gegensatz zu Luft, welche überall von jedermann jederzeit eingeatmet werden kann, bedingt Wasser eine industrielle Verarbeitung. Wasser muss zuerst gesammelt, gereinigt, aufbereitet und anschliessend verteilt werden. Der Preis reflektiert diesen Prozess. Somit ist gerechtfertigt, dass Wasser nicht gratis verteilt wird und einen Preis haben muss.
Die weltweiten Wasserversorger sind entweder Staatsbetriebe, dann hat der Staat die Wasserhoheit oder aber sie sind Privatbetriebe. In der Regel arbeiten diese Versorger eng mit Regierungen des jeweiligen Landes zusammen, damit ein fairer Preis entsteht und Wasser ein für alle Bevölkerungsschichten erschwingliches Gut ist.
Es hat sich in den letzten 50 Jahren erwiesen, dass der Privatsektor für die Wasserversorgung in vielen Ländern einen positiven Effekt gehabt hat (In der Stadt Manila zum Beispiel ist nur dank den Investitionen von zwei grossen privaten Firmen die Wasserversorgung für annähernd 15 Mio. Einwohnern der Stadt gewährleistet). Folglich kann guten Gewissens behauptet werden, dass eine Investition in Wasseraktien absolut legitim ist, um nicht sogar zu sagen sehr produktiv für die weltweite Versorgung von Wasser ist.
Grundsätzlich gilt: Nur wenn Wasser einen Preis hat, haben Privatkunden oder industrielle Verbraucher einen Anreiz, Wasser zu sparen und die Wasserversorger das Interesse, in die häufig marode Wasserinfrastruktur zu investieren, um Leitungsverluste zu reduzieren.



Wasser ist ein Teil der Infrastruktur. Die Bereitstellung dieser Ressource wird vielerorts als staatliche Aufgabe verstanden. Wie wirkt sich dies auf das Investieren aus?
In vielen Ländern sind die Regierungen gefordert wenn nicht sogar überfordert mit der Bereitstellung der Wasserressourcen. Somit hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem privaten Sektor und dem Staat als produktiv erwiesen.



Die ökologischen Implikationen beim Investieren in Wasser liegen auf der Hand. Welche sozialen Zusammenhänge sind für Sie beim Investieren in Wasser relevant?
Wir achten speziell darauf, dass die privaten Versorger ihren jeweiligen Preis für das Wasser nur in enger Zusammenarbeit mit den Regierungen festlegen. Somit können wir davon ausgehen, dass die Preise im Interesse der breiten Bevölkerung des jeweiligen Landes gestaltet werden.



Gibt es Firmen, in die sie kategorisch nicht investieren? Welche Gründe stehen dahinter?
Ja, Firmen bei denen wir nicht überzeugt sind, dass das primäre Interesse an der Dienstleistung „Wasser für jedermann zu einem fairen Preis“ im Vordergrund steht und offensichtlich ist.



Wasser wird auch als das blaue Gold interpretiert und wird immer wieder als Trend vermarktet. Führt das nicht zu Blasenbildung, gibt es genügend Firmen, um zu investieren?
Nein, wir glauben nicht an eine Blasenbildung. Der weltweite Bedarf an Investitionen an der ganzen Wertschöpfung des Wassers ist enorm. Es kann durchaus sein, dass die eine oder andere Aktie zu einem gewissen Zeitpunkt überbewertet ist, aber als ganzes sehen wir einen enormen Investitionsbedarf in den nächsten 5 – 10 Jahren, was eine Blasenbildung verhindern wird.



Welches sind die Faktoren, die das Investieren in Wasser in den kommenden vier oder fünf Jahrzehnten leiten werden?
Die fünf wichtigsten Wachstumstreiber sind:
Infrastruktur – Vor allem in der westlichen Welt ist dies ein zentrales Thema. Die meisten Leitungssysteme sind über 50 Jahre alt und erfordern einen gewaltigen Bedarf an Investitionen in die Wasserinfrastruktur. Seien es völlig neue Systeme in den Schwellenländern oder Investitionen in überalterte Systeme (In London zum Beispiel gehen 40% des transportierten Wassers auf dem Weg zum Verbraucher aufgrund maroder Leitungen verloren).
Zähler – In vielen entwickelten Ländern wird der Wasserverbrauch pauschal abgerechnet. Technologische Entwicklung ermöglicht nun, dass die installierten Zähler ihre Daten elektronisch an den Wasserversorger übermitteln. Die Zähler werden einerseits genauer, andererseits wird die Erfassung und Abrechnung effizienter. In den USA verfügt nicht einmal die Hälfte der Haushalte elektronische Zähler.
Gewinnung von Schiefergas – In Schiefergestein eingeschlossene Gasvorkommen sind eine der grössten unkonventionellen Gasquellen. Die Förderung ist aufwendig und benötigt grosse Mengen an Wasser. Dem Wasser, welches zum Aufbrechen der Schieferschichten in die Tiefe gepumpt wird, werden Chemikalien zugesetzt. Diese verhindern, dass sich die Risse im Schiefer wieder schliessen. Das Wasser wird also stark verunreinigt und muss mit viel Aufwand aufbereitet werden.
Unternehmensberatung und Konzeption – Nachhaltige Wasserbewirtschaftung erfordert langfristige Planung. Firmen und Behörden greifen auf die Dienste von Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmen zurück. Ein wichtiges Thema ist hier der Hochwasserschutz.
Meerwasserentsalzung und Wasseraufbereitung – Das Entsalzen von Meerwasser ist für viele Regionen, welche unter Wasserknappheit leiden die einzige Alternative. Im nahen Osten und in Teilen von Afrika und Asien sind grosse Projekte im Bau, oder in der Planung. Für die Industrie (vor allem Öl & Gas-, sowie die Lebensmittelindustrie) wird es immer wichtiger, das Wasser im Produktionskreislauf zu halten. Technologien, welche es ermöglichen Wasser aufzubereiten und wieder in den Kreislauf einzuspeisen sind gefragt. Hier liegt das wohl grösste Wachstum der Wasserindustrie.

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