Responsible Investing bei Kaiser Partner

Umsetzung der Principles for Responsible Investment (PRI) der Vereinten Nationen

Die Kaiser Partner Privatbank bekennt sich als bislang einziger Finanzdienstleister in Liechtenstein zu den Grundsätzen für verantwortungsbewusstes Investment. 2009 hat sie die Principles for Responsible Investment unterzeichnet, die eine internationale Fachgruppe auf Einladung der Vereinten Nationen entwickelt hat. Die Umsetzung der Grundsätze bringt spürbare Vorteile für die Kunden, da sie zu besser fundierten Anlageentscheiden führt. Dr. Ingeborg Schumacher-Hummel, Director Responsible Investing*, zeigt sie im Interview auf.

Bereits gegen 900 Institutionen aus 45 Ländern setzen die Principles for Responsible Investment (PRI) um. Wie und wo sie der verbindlichen Absichtserklärung Taten haben folgen lassen, beurteilen sie zum Jahresschluss jeweils selber, allerdings nach einheitlicher Bewertungsmethode. Die Kaiser Partner Privatbank hat 2010 teilweise Spitzenwerte erzielt, die auf einen 100-prozentigen Erfüllungsgrad hin tendieren. Frau Schumacher, wie sind diese hervorragenden Resultate zustande gekommen?

Dr. Ingeborg Schumacher-Hummel: Unsere Strategie zielt in die gleiche Richtung wie die PRI-Initiative. Wir integrieren ökologische, soziale und Corporate-Governance-spezifische Überlegungen in unser Anlagegeschäft. Die dafür allgemein gängige Abkürzung ESG steht für Environmental, Social, Governance. Wir verfolgen unsere Strategie seit 2009 und berufen uns dabei auch auf das Responsible-Investing-Konzept, das der von Kaiser Partner 2004 initiierte Private Wealth Council entwickelt hat.

Wie gehen Sie vor, um potenzielle Anlagen nach ESG-Kriterien zu beurteilen?

Dr. Ingeborg Schumacher-Hummel: Die Informationen, die wir für unsere Anlage-Entscheide benötigen, lassen sich noch nicht standardmässig in Berichterstattungen finden. Deshalb sammeln wir diese Daten und Fakten aus verschiedenen spezialisierten Quellen und sind auch eine Kooperation mit einer Rating-Agentur eingegangen. Diese hat mehr als 3000 Unternehmen nach ESG-Kriterien beurteilt und stellt die Ergebnisse ihrer umfassenden Analyse in detaillierten Profilen dar. Zudem arbeiten wir mit einem Unternehmen zusammen, das sich darauf spezialisiert hat, Mängel im Umwelt- und Sozialverhalten, folgende negative Ereignisse und somit Reputationsrisiken frühzeitig zu erkennen. Wird der Ruf eines Unternehmens beschädigt, kann das dessen Aktienkurs beeinträchtigen.

Diese Informationen verwenden wir sowohl für die Bewertung einzelner Anlageobjekte als auch für die bedeutend komplexere ESG-Analyse ganzer Fonds. Unsere Erkenntnisse fliessen dann in unsere Fund Factsheets ein, mit denen wir branchenweit eine führende Rolle einnehmen dürften.

Mit Ihrer Strategie, die sich an den ESG-Kriterien orientiert, geben Sie somit auch Ihrer Überzeugung Ausdruck, dass heute ökologische und soziale Aspekte wie auch eine gute Corporate Governance die wirtschaftliche Leistung eines Unternehmens zu steigern vermögen.

Ingeborg Schumacher-Hummel: Richtig! Nur wenn Anlageobjekte keine erhöhten Risiken aufweisen und Unternehmen ökologisch und sozial Verantwortung übernehmen, können sie langfristig erfolgreich sein.

Welchen Nutzen ziehen nun Ihre Kunden aus Ihrer Ausrichtung?

Ingeborg Schumacher-Hummel: Mit der breit abgestützten, fundierten Auswahl zielen wir auf wirtschaftlich interessantere Investitionen und bieten unseren Kunden damit einen Mehrwert. Zudem können sie dank den neuen Fund Factsheets die Anlage-Entscheide besser nachvollziehen. Da wir das Fonds-Universum differenziert analysieren, müssen wir uns nicht auf klassische Nachhaltigkeitsfonds beschränken, sondern können uns weiterhin aus der gesamten Fondspalette bedienen. Mit den Fund Factsheets greifen wir zudem das Bedürfnis unserer Kunden nach Transparenz auf, das seit der Finanzkrise auffallend gewachsen ist.

Durch Ihre Strategie wächst auch die Erwartungshaltung insbesondere gegenüber Fonds-Managern.

Ingeborg Schumacher-Hummel: Wir wollen in der Tat, dass die Fonds-Manager ihrerseits finanzielle Ziele mit allgemeinen Umwelt-, Gesellschafts- und Governance-Anforderungen an die Unternehmen verknüpfen. Hier setzen wir bei der Umsetzung der Principles for Responsible Investment klare Zeichen im Finanzmarkt. Daher haben wir 2010 mehr als zwanzig Interviews geführt – auch mit Fonds-Managern, die sich noch nicht explizit durch die Berücksichtigung der ESG-Kriterien am Markt profilieren. Alle haben sich zu einem Gespräch bereit erklärt, das hat uns beeindruckt. Auch unsere Portfolio-Manager stellen den Fonds-Managern immer wieder ESG-bezogene Fragen. Wir haben unseren Schwerpunkt bewusst auf das Portfolio-Management gelegt, denn hier liegt auch die Verantwortung, die wir für unsere Kunden tragen.

Damit werden Sie dem wohl wichtigsten Grundsatz für verantwortungsbewusstes Investment gerecht: „Wir werden ESG-Themen in die Analyse- und Entscheidungsprozesse im Investmentbereich einbeziehen.“ Der nächste Grundsatz lautet: „Wir werden aktive Aktionäre sein und ESG-Themen in unsere Aktionärspolitik und -praxis einbeziehen.“ Wie steht es denn damit?

Ingeborg Schumacher-Hummel: Sie picken genau das Prinzip heraus, dem wir im Geschäft, wie wir es betreiben, am wenigsten entsprechen können. Als Privatbank betreuen wir ein relativ kleines Anlagevolumen. Deshalb investieren wir nicht in Einzelaktien, sondern konzentrieren uns auf Fonds. Wir glauben, mit den Interviews eine breitere Wirkung zu entfalten – trotz unserer relativ kleinen Grösse. Das zeigt die Akzeptanz, die wir mit unseren ESG-Anliegen bei Fonds-Managern finden. Unser klares Signal, dass Responsible-Investing-Aspekte ein integrierter Bestandteil des Anlageprozesses sein müssen, kommt an. Wir stärken damit das Bewusstsein der Fonds-Manager, dass sich die Integration der ESG-Kriterien auszahlt. Mit diesem intensiven Dialog liefern wir den eindeutigen Beweis, dass wir die Principles for Responsible Investment in die Praxis umsetzen.

Der Kreis der Finanzakteure, welche die ESG-Kriterien berücksichtigen, wird insgesamt weiter zunehmen. Wird dadurch Ihr Vorsprung schwinden?

Ingeborg Schumacher-Hummel: Wir sind überzeugt, dass alle profitieren werden, wenn der Kreis grösser wird. Deshalb unterstützen wir im deutschsprachigen Raum den Austausch unter den Finanzakteuren und wirken aktiv im Forum Nachhaltige Geldanlagen mit, dem rund 150 Unternehmen und Organisationen angehören. Wir haben für Marktteilnehmer in unserem unmittelbaren Umfeld auch die Dialogreihe „Sustainable Finance“ initiiert, und wir unterstützen den Liechtensteinischen Bankenverband darin, Nachhaltigkeit als strategisches Finanzmarktthema zu etablieren.

Die Kaiser Partner Privatbank ist eines der ersten Finanzinstitute in Liechtenstein, das dem Thema des verantwortungsbewussten Investments eine derart systematische Rolle und damit solch hohe Bedeutung beimisst. Wir fühlen uns wohl in dieser Vorreiter- und Pionierrolle, glauben aber gleichzeitig, dass nachhaltiges Investieren zu einem Wettbewerbsvorteil für den gesamten Bankenplatz Liechtenstein werden kann.

Zum Zeichen unseres Engagements haben wir 2010 den Kongress für nachhaltige Entwicklung und verantwortungsbewusstes Investieren der Hochschule Liechtenstein ideell und finanziell unterstützt.

Und wie geht es 2011 weiter?

Ingeborg Schumacher-Hummel: Wir werden natürlich weiter an der Umsetzung der Principles for Responsible Investment arbeiten. Dazu werden wir auch Interviews mit weiteren Fonds-Managern führen. Unsere Strategie verfolgen wir weiter. Sie hat sich bis jetzt sehr gut bewährt.

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* Dr. Ingeborg Schumacher-Hummel verantwortet als Direktorin die Geschäftsentwicklung von Kaiser Partner im Bereich des verantwortungsbewussten Investierens. Sie führt das gruppenweite Kompetenzzentrum für Responsible Investing und arbeitet im Anlageausschuss der Privatbank.

Dr. Ingeborg Schumacher-Hummel ist eine ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet des verantwortlichen Investierens. Seit ihrem Studium setzt sie sich damit auseinander, und ihre Dissertation, die sie an der Universität St. Gallen geschrieben hat, behandelt „Socially Responsible Investing (SRI) und Pensionskassen“. Bei der UBS hat sie das Team für Socially Responsible Investment im Asset Management mitgegründet und aufgebaut. Im deutschsprachigen Social Investment Forum, dem Forum Nachhaltige Geldanlagen, wirkt sie seit dessen Gründung 2001 im Vorstand mit.

Dr. Ingeborg Schumacher-Hummel und das von ihr geleitete Kompetenzzentrum für Responsible Investing lassen die entsprechenden Prinzipien der Vereinten Nationen1 sukzessive und auf breiter Basis in das Portfolio-Management von Kaiser Partner einfliessen, sodass alle Kunden Nutzen daraus ziehen können. Auf individuellen Wunsch überprüft das Kompetenzzentrum auch die ökologische und soziale Nachhaltigkeit individueller Portfolios und stellt Mandate nach persönlichen Präferenzen zusammen.

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