Venture-Philanthropie – Berater Werner Blatter gibt einen Einblick in die neue Form von Charity

Werner Blatter ist Gründer und Partner von Social Investors Partners in Zürich und Genf (CH). Am Rande des Liechtenstein Congress on Sustainable Development and Responsible Investing 2010 hat er in folgendem Interview über sein Engagement im Bereich Venture-Philanthropie Auskunft gegeben.



Herr Blatter, Sie haben zuvor viele Jahre beim UNHCR gearbeitet. Wie kam es dazu, dass Sie nun mit Social Investors Partners im Bereich der Philanthropie beratend tätig sind?

Mein Partner Patrick Frick und ich haben festgestellt: auf der einen Seite gibt es Menschen mit grossen Vermögen, die sich engagieren möchten. Auf der anderen Seite gibt es unwahrscheinlich viele Möglichkeiten und Notwendigkeiten, etwas zu tun. Da Vermögende heute kaum Zeit haben und sie sich auf dem doch sehr komplizierten Gebiet der Philanthropie nicht auskennen, bilden wir die Brücke zwischen dem Philanthropen und den Projekten.

Für die Person oder auch eine Familie arbeiten wir zuerst eine Strategie aus; d. h. zusammen mit dem Philanthropen erarbeiten wir den thematischen und geographischen Fokus seines philanthropischen Engagements. In einem nächsten Schritt machen wir die Due Dilligence für die Organisation, die sich mit dem gewählten Thema befassen soll. Dafür legen wir dem Kunden fünf bis sieben Optionen vor. Als nächsten Schritt verhandeln wir in seinem Namen das Abkommen zwischen ihm und der Organisation, welche das Projekt umsetzen wird. Daraufhin fliesst der vorgesehene Betrag direkt vom Kunden zur Organisation.

Der wichtigste Schritt für uns ist schliesslich das Ongoing-Monitoring. Wir begleiten die Projekte, was heute mit Skype und E-Mail kein Problem ist. Einmal pro Jahr werden die Projekte vor Ort evaluiert. So weiss der Kunde am Ende des Jahres ganz genau, was er mit seinem Geld bewegen konnte. Im Grund genommen bieten wir Outsourcing in Sachen Philanthropie. Der Kunde ist trotzdem aktiv einbezogen, zum Beispiel werden die Budgets genau diskutiert. Es ist also nicht so, dass der Kunde einfache einen Scheck schreibt.



Das hört sich danach an, dass sich die Philanthropie stark verändert hat.

Ich glaube, dass die Philanthropie einen sehr starken Wandel durchgemacht hat. Vielleicht noch bis zum Zweiten Weltkrieg war es doch meistens so, dass man einfach Geld gab – sehr oft an kirchliche Institutionen. Aber dann kamen gerade auch aus dem angelsächsischen Bereich die Nichtregierungsorganisationen. Diesen hat man vertraut und einen Scheck ausgeschrieben.

Weil man unternehmerisch denkt, will man heute mehr wissen: Als Investor möchte ich für meine Investition genau wissen, was geschieht. Dieses Denken bleibt auch erhalten, wenn man über Philanthropie spricht. Es hat sich also der Ansatz verändert. Man will etwas tun und man will wissen, was mit dem Geld geschieht und man will eine Antwort auf die Frage bekommen: Kann ich etwas bewegen? Dies jedoch gesagt: Es gibt Millionen von Menschen, die vielleicht 50 oder 100 Euro im Jahr spenden und viele sehr gute Sachen machen; gerade in der humanitären Hilfe und in der Nothilfe braucht es das.



Welche Rolle spielen bei Ihren Kunden Werte? Inwiefern werden diese bei Ihnen diskutiert – oder kommen die Leute bereits mit festen Vorstellungen zu Ihnen?

Das ist ganz verschieden. Es gibt Menschen, die haben ganz klare Ideen, andere haben überhaupt keine Idee. Da helfen wir mit folgenden Fragen bei der Strategieentwicklung: Wo sind ihre Werte. Was liegt ihnen am Herzen. Und dann kommt die andere Frage: Wollen sie nur eine Schenkung machen oder wollen sie sich in einem anderen Modell engagieren – im Sinne der Venture-Philanthropie, also der Risikophilanthropie.

Dabei geht es um die Frage, inwieweit eine Organisation nicht nur von Spenden lebt sondern auch selbst Kapital kreiert. Gerade ein Unternehmer kann mit seinem Wissen sehr viel mithelfen. Man nimmt sich dann für gewisse Projektbereiche vor, dass dieser gewinnbringend ist. Der Gewinn wiederum fliesst dann zurück in die nicht gewinnbringende Aktivität. Wir haben zum Beispiel ein Projekt in Bolivien. Dort bildet eine Schule Schreinerinnen aus. Die dort produzierten Möbel werden ganz normal verkauft aber der Gewinn fliesst zurück in die Schule.

Das Risiko besteht darin, dass man bei Beginn des Projektes noch nicht ganz genau weiss, was dabei rauskommt. Für den Social Return ist man jedoch bereit, dieses Risiko einzugehen. Mit einem solchen gemischten Projekt kann man auch die Organisation anspornen, zum Beispiel einen eigenen Business Plan aufzusetzen um so das Projekt unternehmerisch anzugehen.



Die Frage nach dem Return des Investments integriert doch eigentlich eine langfristige Perspektive in die Gedanken um die Förderung eines Projektes. Das ist doch nichts anderes als Nachhaltigkeit?

Der Idealfall ist natürlich, wenn man sagen kann, dass vielleicht während fünf Jahren Geld investiert wurde, sich die Organisation aber danach selbst trägt.



Welche Themen beschäftigen Ihre Klienten derzeit am meisten?

Das ist natürlich sehr verschieden. Ich würde aber sagen, dass die Themen Jugend und Bildung – bis hin zu Berufsausbildung -  auf grosses Interesse stossen. Frauen ist auch ein Thema und konkrete Mikrokredit-Programme. Alles in allem geht es darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst aus der Notsituation herauszuarbeiten.


Ausführlichere  Informationen zu Venture Philanthropy finden Sie unter anderem in Werner Blatters Fachartikel „Venture- oder Risikophilanthropie in der Schweiz – Eine praxisbezogene Bestandsaufnahme“. Erschienen in Venture Philanthropy in Theorie und Praxis. Herausgegeben von Philipp Hoelscher, Thomas Ebermann und Andreas Schlüter. Lucius & Lucius, Stuttgart 2010.

Weitere Informationen zu Werner Blatter finden Sie unter socialinvestors.com

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